Das Teufelsweib

Sie war bekannt da unten im Wurstelbrater, in der ganzen Leopoldstadt wo sich allerhand Volk eingefunden hatte, zur Arbeit und zum Vergnügen. Sie war eine energische, junge Frau. Der Vater verspielte schon beizeiten seine Gesundheit, den Stall mit den besten Pferden, die Schaubuden. Auf eigenen Beinen musste sie fortan stehen, wäre da nicht das eine krumme gewesen. Ein ungestümer Hengst hatte damals böse ausgeschlagen. Weil die junge Frau auch feiertags mit dem alten Zeug herumlief, das eine Bein hinter sich her zog, aber nicht auf den Mund gefallen war, blieben die Brautwerber aus und damit die große Liebe von der jedes Mädchen träumt.
Eines der Pferde, die Lisa wollte niemand haben, sie ist geblieben und dazu eine Schaubude mit etwas drum herum. Das Drumherum wurde zur Koppel und die Kinder und jene die Freude daran hatten konnten ausreiten oder mit der Kutsche durch die Allee fahren.
Ihre Liebe galt dem Pferd und den Münzen die jeden Tag zu zählen waren und es wurden langsam mehr, so noch ein Schimmel und ein Rappe sich zur braunen Stute dazustellten.
Ohne Fleiss kein Preis sagt man und der Preis hat sich eingefunden mit immer mehr an Hab und Gut. Was sich auch mehrte war der Geiz und sie war auch sehr hart zu den Leuten. Sie kannte also keinen Pardon wenn ihr jemand in die Suppe spuckte, oder ihr das Erworbene wieder streitig machen wollte. Sie scheute sich auch nicht mit den Kartenspielern an einem Tisch zu sitzen. Sie hatte schon als kleines Mädchen viele Stunden neben dem Vater ausharren müssen. Er wollte seine Bequemlichkeit haben, eine warme Jobbe wenn ihm kalt war, eine Zigarre wenn die Schachtel schon leer war und manches andere. So hatte sie gelernt in der rauen Männerwelt zurecht zu kommen, kannte die Finten und geheimen Regeln beim Kartenspiel und teilte mit ihren scharfen Ellbogen auch mal Hiebe aus, inmitten ihres strohblonden Wirrkopfs blitzten scharfe blaue Augen.Ihr war also über die Jahre zugefallen was der Vater verloren hatte. Sie war nicht wirklich stolz was ihr zu eigen war aber es war einfach so gekommen. Man nannte sie das Teufelsweib so sie auch eine Geisterbahn betrieben hat, wo die Teufelsweiber im Halbdunkel sich wilde aufführten. Nur die größeren Kinder oder die erwachsenen Leute hatten Zutritt in diese Geisterwelt, wo es so unheimlich spukte und gräuliche Gestalten auf einen zustürzten, als hätte die letzte Stunde geschlagen.
Sie störte sich nicht an dem neuen Namen und konnte einer der Spieler seine Schuld nicht bezahlen musste er bei ihr in den Dienst treten bis die Schuld beglichen war.
Einer der Spieler war zu seinen besten Tagen ein gebildeter Mann gewesen der sich in den Prater verirrt hatte und geblieben ist, oder besser, bleiben musste. Frau Kummer übernahm für den Mann die Spielschuld. So hat sich einer selber zum Pfand gemacht und arbeitete geduldig von morgens bis abends mit den Pferden, spannte sie ein und aus, und fuhr den Mist nach draussen zu den Gärten. Niemand wusste von seiner Vergangenheit und die Frau duldete ihn und war mit einmal nachsichtig mit einem Manne der die besten Jahre - die Jugend irgend wo hat liegen lassen und keiner hat sie ihm nachgetragen.

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Die schwarze Fee

Sie meiden die Eremitage. Leer gefegt ist sie von Mäusen und Ratten. Nichts mehr zu nagen an den Bildern, an der großen Kunst. So schön gefasst in edlen Holz, verziert mit Gold und Silber haben die alten Meister von Rembrandt bis Matisse nunmehr ein sorgloses museales Ausgedinge. Dass man sie bestaunt kümmert aber die Meister nicht, sie ruhen einfach in Frieden so einer nicht schon wieder Flügel bekommen hat. Flügel haben sie keine gehabt als sie angereist sind die Katzen, die besten Mäusefänger. Sie kamen in der Kutsche, ihre Heimat war das weite Land gewesen. Jetzt sind sie salonfähig geworden und haben ihre Dienstboten die sich Menschen nennen. Das Futter kommt wie von alleine, ohne dass sie die Krallen ausfahren müssen. Bis der Tag kam, der von Katharina der Großen. Sie liebte die Hunde mehr als die Katzen. Einer hatte sogar die Ehre in den Adelsstand erhoben zu werden. Aber zurück zu den edlen Katzen. In den Keller damit, lautete kurz und bündig der Befehl der Kaiserin. So lungern sie seither nur mehr in finsteren Nischen und auf heissen Rohren. Ein faules Leben und selten scheint ihnen die Sonne, leuchten die Blumen, strahlt ihnen der blaue Himmel. Es ist ein Hundeleben, nur eine Etage tiefer. Unter all den weissen, grauen Eminenzen eine die man nicht übersehen kann. Sie ist eine junge Katze. Ihre Herkunft liegt im Dunklen. Ihr seidiges Fell im tiefsten Schwarz hat einen blauen Ton. So ein milder Schimmer liegt in den gelben Augen, von Sanftmut getragen ist ihr ganzes Wesen.
Und das stört die Gleichmütigen, und besonders einen, den getigerten Wildfang. Sein Blick ist wild, wenn nicht gar böse. So bald Schwarz vor ihm erscheint, fährt er die Krallen aus und schlägt zu. So kann auch mal ein Hosenbein darunter sein, oder eine Tasche in schwarzen Samt verliert ihre feines Aussehen. Er ist auf einem Auge blind und das andere sieht auch nicht viel besser. Aber die Beschwerden kümmern ihn nicht, er hat das Seine getan und nimmt den obersten Platz ein um zu ruhen und zu rasten. Die Jagd nach den Mäusen, den Ratten die durch die Räume huschten ist Vergangenheit, war sein verlebtes Leben. Den wahrhaft Schönen unter den Eminenzen den Hof zu machen war nie das seine, er hat sich genommen was ihm gefallen hat und da war für Romanzen keine Zeit noch weniger für die Muse.
Wenn er nicht so faul wäre, er könnte in Zorn ausbrechen so verführerisch flaniert sie wieder vorbei, die zauberhafte Schwarze, erinnert ihn an die Zeit davor und die wird immer länger. Könnte ein Kater die Gicht bekommen er hätte sie, so schlafen nur die Beine ein und was sonst darunter ist.

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Max und der Teufel von der Rax

Zu der Zeit gab es viele fahrende Händler. Max sass damals auf einem der Wagen der gerade durch das Dorf fuhr. Er hatte genug von den Hieben seines Vaters und so sprang er auf die Strasse und versteckte sich im Dorf. Er blieb und streunte durch die Gassen. Die Leute wollten ihn nicht haben, sie fürchteten dass die Händler mit den dunklen Gesichtern wiederkommen würden. Hätte er nicht stehlen gelernt er wäre verhungert.
Aber der Bub wurde groß und stark. Wollte noch größer und mächtiger werden. Er lief gerne mit Stelzen herum und verspottete die kleinen und auch die größeren Leute. Du falscher Gartenzwerg, du lahme Ente, du hässliche Kröte, du elender Geizhals hörte man ihn rufen. Er scheuchte die Hühner und Gänse auf. Entriegelte die Stalltüren damit die Tiere das Weite suchten. Grub tiefe Löcher so sich einer das Bein brechen sollte. Kleine Kinder erschreckte er mit Teufelsmasken und toten Katzen. So wurden die Leute zornig und schimpften ihn aus, sagten, er solle sich zum Teufel scheren, dort hin gehen wo der zuhause ist, und er solle auch dort bleiben, ansonsten wird er in den Kerker gesteckt. Das kam ihm so gesehen nicht unrecht, einmal den Teufel kennen zu lernen.Wenn Max auch alle zum Narren hielt, niemand verschonte, so war da doch jemand dem er gesonnen war. Ein Mädchen mit dem Namen Elsa. Sie hatte noch zwei Brüder und für eine kranke Mutter musste sie sorgen. Sie tat was not war und ging fleissig der Arbeit nach. Sie wohnten abseits vom Dorf, auf einem Hügel, dort wo die Bauern über die Jahre die Steine hingetragen hatten, damit es auf den Feldern besser wachsen konnte. Sie hatten sich mit den größeren Steinen ein einfaches Haus gebaut. Dort durften sie bleiben. Die Leute wussten dass der Max ein Auge auf das Mädchen geworfen hatte. Man verspottete sie, verweigerten ihr die Hilfe. So legte sich auf die Krankheit der Mutter auch noch der Kummer und sie ging aus dem Leben. Nun war das Mädchen alleine mit den Brüdern und zur vielen Arbeit kam die tiefe Trauer um die Mutter. Nicht einmal Max konnte ihr bei den schweren Arbeiten beistehen wie sonst. Sie hatten ihn davon gejagt.Als Max auf der halben Höhe des Berges angekommen war, eben dort wo der mit dem Pferdefuss wohnen sollte, war es beinahe finster geworden und er erinnert sich an die Leute, an die Wut, die aus ihren Augen leuchtete. Das kann ich auch sagte er und wuchs noch mehr über sich hinaus. Hinunter spuken war zu wenig, da kam er nicht weit. Also geriet er noch mehr in Zorn und schmiss mit den Steinen nach allen Seiten dass es krachte und die Funken flogen.
Da ging mit einmal ein Licht auf, der Teufel blickte aus der Höhle und meinte:
„Wer macht da solchen Lärm?“
„Ich bin es, sagte Max, und hielt inne mit dem Steine werfen. Dass du, der böse Teufel von so kleiner Gestalt bist hätte ich nicht gedacht. Oder willst du noch wachsen spottete er.“

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HEXI im HÖLLENTAL

„Was bist du so traurig fragt Hexi den Mann der neben den Geleisen sitzt und in den Himmel starrt?“
„Du kennst den Grund, oder besser es sind gleich mehr davon.“
„Ich könnte auch traurig sein weil ich nicht das geworden bin was ich sein wollte.“
„Was wolltest du denn noch werden?“
„Nun sieh mich an wie winzig ich bin, und so viele Feinde sind um mich herum. Alle wollen mich zum Futter haben, die hinterlistige Schlange die so unverhofft und leise daherkommt, das flinke Wiesel das einem nachstellt. Der Falke der nicht einmal einen Schatten wirft so schnell kommt er aus der Luft und stürzt sich auf einen.
Der schlaue Fuchs ist ein ständiger Gast da herunten balanciert auf den Schienen entlang mit der Nase immer dort wo Beute sein könnte. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht niemals den selben Weg zurück zu machen, dreht täglich vor dem Morgengrauen seine Runde. Weiter unten geht es zum Schrebergarten. Dort grasen die Hühner und die Enten. Ein Zaun soll sie daran hindern dass sie in alle Richtungen laufen und soll sie auch vor dem Fuchs schützen. Aber der kommt jeden Tag vorbei und sieht nach dem Rechten oder Unrechten. Recht wäre ihm es hätte eine geschafft durch den Zaun zu schlüpfen, ihm so zu sagen vor das Maul zu laufen.
Hexi kann sich an den Tag erinnern, mitten im Sommer als er mit einem Huhn im Maul die Geleise entlang eilte. Vor lauter Federn musste die Nase den Weg zeigen. Habe auch meine Jungen zu füttern und dieses Jahr sind es nur zwei geworden, so die gebratenen Tauben nicht von den Bäumen fallen, so jammerte er. aber an dir ist nichts dran du dürre Echse. So hatte ich meine Ruhe und auch die Schlange wagte sich nicht mehr auf den Bahndamm so lange der Fuchs dort seine Runden machte. Er hat ganz oben am First der Steilwand seine Höhle mit Aus oder Eingängen. Wenn er vor dem einen sitzt so blickt er nach Osten. Kein Jäger und kein Hund wird sich dort hin wagen, es geht senkrecht die Wand hinunter und ausser dem wendigen Fuchs würde jeder abstürzen und womöglich tot auf den Geleisen landen.
Aber nunmehr ist ein ganz hinterlistiger, unsichtbarer Feind aufgetaucht. Ein Wagen ist es, der des Nachts auf den Geleisen angefahren kommt und nach allen Seiten strömt Nebel aus. Das Gras verschwindet, aber es wird dabei auch alles Leben ausgelöscht. So muss ich beizeiten mein Versteck räumen, alle warnen und das ist die Zeit wo einem sehr bange ist um einen selber und um die Jungen. Aber zurück zu den Wünschen die sich nicht erfüllen wollen wenn einem danach ist.
Ein Drache wollt ich werden, so mit Flügeln, einem Riesenmaul und einem Schwanz der jeden ordentlich auskehrt der nicht zur Seite gehen will, die alle fliehen lässt vor meinem Feuermaul, worin die Zähne nur so blitzen.“
„ Du als kleine Eidechse wolltest also ein Drache werden sagte Bruno verwundert und lächelt.“

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Nikolei

Eine wilde, eine stürmische Zeit war es, als dieser Mann auf die Reise ging. Sie bestaunten ihn wie ein seltenes Tier, eines das sich verlaufen hat, das seine Höhle nicht mehr findet. Sein borstiger Schädel, seine Gesicht erinnerte etwas an einen knorrigen Baum. Alt war er gewiss nicht. Das Feuer in seinen Augen leuchtete noch immer. Die Kinder hatten eine Scheu vor dem fremden Mann, aber sie waren immer wieder dort zu finden wo er umging.

Erst vor ein paar Tagen noch, sass er mit Soldaten in einem schäbigen Waggon der Eisenbahn, es roch nach Pferdemist.
„Was willst du in dem Land wo Krieg ist und mit Kanonen geschossen wird fragte ihn einer der Soldaten.“
Die sollen lieber auf Spatzen schiessen antwortete Nikolai.
„Auf Spatzen?“
„Ja sie stehlen uns jedes Jahr die guten Körner vom Feld.“
„Du bist also ein Bauer und kein Kosake.“
„Kosake bleibe ich immer!
„Du fährst mit uns in den Krieg und hast keine Uniform?“
„Die Uniform hat mein Bruder angezogen, er soll dort sein, wo sich ein wilder Fluss der aus den Bergen kommt tief in das Land eingegraben hat.“
„Ich weiss, welchem Fluss du meinst, wir werden in drei Tagen dort sein.“
„Du hast auch schon viele Sommer erlebt, warum fährst du in den Krieg fragt Nikolai?“
„Wir sind sehr arm und ein wenig Sold können wir gut gebrauchen“
„Gib mir ein Zeichen wenn wir dort ankommen wo der Fluss ist, meine Mutter wird es dir danken mein Freund“
So war Zeit nachzudenken was ihn dort erwartet, wo der Bruder sein könnte der so lange keine Post mehr gesendet hatte. Nikolai hatte die wichtigsten Wörter gelernt um in dem fremden Land nicht ganz stumm bleiben zu müssen.
Bringe ihn wieder nach Hause sagte die Mutter und legte ihm alles was sie gespart hatte in die Hände. Er verbarg die goldenen Thaler sorgfältig mit Nadel und Zwirn, einen im Stiefel so er in Not kommen sollte.
Die Fahrt geht dem Ende zu und der Soldat hebt die Hand zum Zeichen. Grüße mir die Heimat so du bald wieder zuhause sein wirst, ruft er ihm nach.
„Das Glück soll auf deiner Seite sein erwidert Nikolai und entfernt sich von dem Wagen“

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