Nesh

Mein Gegenüber ist auch am Lesen. Einmal die Getränkekarte, dann die Speisekarte. Mir fällt der Zettel ein, auf dem ich die E-Nummern vermerkt habe.

Na endlich, die Bedienung und die Gelegenheit etwas zu sagen. Sie blickt mit einem Auge nach mir und mit dem anderen nach nebenan und ihr Fuß zeigt schon in Richtung Theke. Wir bestellen dasselbe, die Nummer 10 auf der Karte. Sie tippt ein. Die Wand vor uns ziert eine Uhr von Coca Cola, es fehlt der Sekundenzeiger. Wir sind nun schon eine Stunde in Therapie. Noch ist nichts gefallen außer einer Gabel. Sie klingt nach, als sollte es uns an ein Versprechen erinnern.

Der Bub nebenan spielt mit einem iPad. Da läuft ein Film. Die Wissenschaft arbeitet an besseren Animationen fällt mir ein. Damit das wallende Haar nicht mehr einzeln simuliert werden muss, hat man es vereinfacht, indem man eine wallende Flüssigkeit darstellt.
Es kommt das Essen. Feine Nudeln, oder sind es Sprossen? Alles in einer Soße. Wir blicken uns an, als hätten wir denselben Gedanken gehabt. Das Essen nimmt seinen Verlauf, nur das Unausgesprochene liegt noch in der Luft und macht Beschwerden.
Doch diese Luft riecht mit einem Mal verdächtig nach Angebrannten. Der Bub nebenan hat die Tischdecke in Brand gesetzt. So springen alle auf und machen Platz. Es wird gelöscht und der Raum versinkt in einer Wolke von weißem Schaum.

Das Essen ist beendet und damit auch die Therapie. Wir zahlen was wir schuldig sind und wollen beinahe gleichzeitig durch das Drehkreuz am Ausgang. Beeilen uns mit dem Händereichen.
Am nächsten Tag die Frage des Therapeuten: „Wie ist es Ihnen ergangen mit dem Kennenlernen?“

„Wir haben unsere Adressen getauscht, die von Facebook“.