Der Glücksstern

Er ist schon müde der Mond, noch einmal wollte er über die Erde reisen mit seinem silbernen Licht.
Du bist spät dran, wo kommst du her, sagt die Sonne auf ihrem Weg von der Nacht in den Morgen und strahlte ihn an dass er auch noch ganz blass dabei wurde.
So ist es mit der Zauberei? Sie haben mir Füsse angepasst die Elfen. So wurde ich wie auf Befehl über das Land geschickt. Ich musste erfahren wie steil ein Berg sein kann, wie hart die Steine, wie kalt und reissend ein Fluss, wie heftig die Winde und wie gnadenlos macht sie der Gott des Donners wenn sie zum Sturme werden.
Zum Sturme blasen auch jene Menschen auf der Erde, die noch in die Nacht hinein mit den Gedanken streiten, anstatt zu schlafen. Am anderen Tag haben sie dunkle Augen und scheuen das Licht. Wie kann ein Gedanke nur solch schwarze Schatten werfen fragen sich die guten Geister, dabei sind sie leichter wie der Wind und wollen gar nicht wiederkommen wenn sie keiner ruft.
Ja ich bin wohl zu lange am Horizont gehockt hab geträumt und nachgedacht. Mit einmal haben sie gesponnen und gesponnen. Vor lauter Weben sind da Füsse geworden, zum Stehen und zum Gehen, und es war vorbei mit meiner himmlischen Leichtigkeit. Und weniger bin ich geworden, auch die reinste Zauberei, und geblieben ist mir an der Seite der große, schwere Sack mit den Edelsteinen.
Sie haben es ja leicht die Elfen, sie fliegen einfach. Sehen kann sie nur einer der leise ist, man muss warten können bis die Hände und Beine müde sind, und traumverloren der Sinn. Sie scheuen das grelle Licht das von den Laternen kommt, und sie mögen keine Riesenhummeln die rauchen und lärmen. Sie wohnen dort wo der Himmel die Erde berührt. Sie warten auf das Abendrot und reisen in das dunkle Blau der Nacht hinein.
Lass dir sagen liebe Sonne. Ich war auf meiner Reise nicht kleinlich mit dem silbernen Licht, hab es mit vollen Händen ausgeteilt, wenn man so sagen kann. Ich konnte nach den Fenstern sehen, besser in die Kammern wo sie alle zu dieser Nacht selig geschlafen haben, so fein zugedeckt mit Daunen und einem kühlen Windhauch den ich mit dabei hatte.
Was ist dir da in den Sinn gekommen guter Mond, so sagt die Sonne, dass du dir so viel angetan hast?
Wollte doch der Erde entfliehen wo sie mir schon mit den eisernen Monstern auf den Leib gerückt sind. Ungefragt haben sie Löcher gegraben und dabei so viel Staub aufgewirbelt. Ich habe keine Schätze oder sonstige Reichtümer. Aber sie hatten scheinbar guten Grund etwas zu verbergen. Es waren edle Steine die sie in Kisten herangeschleppt haben. Dafür war ihnen auch eine staubige Höhle gut genug. Sie haben Fahnen in die Erde gesteckt als hätten sie was zu sagen da heroben, als wäre das alles ihr Eigentum.
So habe ich Uranus angerufen, er möge mir einen Platz im weiten Firmament zuteilen, der noch unberührt ist, wo keine eisernen Ungetüme und so viele Irrlichter die Nacht zum Tage machen und den himmlischen Frieden stören. Uranus ist ja auch nicht mehr der jüngste wie du weisst, aber ich vertraue seiner Weisheit.
Noch darfst du deine Bahn nicht verlassen sagte er, du trägst viel Verantwortung. Noch bist duunentbehrlich für den Teil des Himmels. Aber, das wird nicht ewig so sein. Du kannst eine kurze Reise machen, sehen, wie es den Menschen dort unten auf der Erde geht. Du kannst dir etwas ausdenken was ihnen zu Hilfe sein kann. Es wird auch dir zu Gute kommen. Du wirst eines fernen Tages einen noch viel schöneren Platz am weiten Himmel finden. Aber, wenn du es heute oder morgen zustande bringst dass alle auf dieser Erde den Tag friedlich beginnen und auch zu Ende gehen lassen, kannst du schon übermorgen ein Glücks-Stern sein und ein anderer Mond wird deine Stelle einnehmen.
So habe ich über die Rede des Weisen nachgedacht, dort im Stillen am Horizont. Ich werde ihnen einen besseren Schlaf bringen, eine Sammlung friedlicher Nächte und guter Gedanken für die Tage, mehr fiel mir bis dahin nicht ein. Das wurde zu meiner ehrlichen Absicht. Mit einmal kamen mir auch die kostbaren Steine in den Sinn. Ich werde sie mitnehmen damit sie wieder zur Erde kommen, dort wo sie hin gehören. Alles soll doch seine Ordnung haben. Das war meine Hoffnung. Auf der Reise über die Erde bin ich in viele Stuben gekommen und sah großen Reichtum und anderswo bittere Armut. So hatte ich genug in dem großen Sack um bei jedem Armen eine Kostbarkeit liegen zu lassen. Es waren viele Edelsteine, aber sie waren mir auch eine große Last auf den steilen, weiten Wegen. Aber nach jedem Besuch bei den Armen wurde der Sack mit den Edelsteinen kleiner und kleiner.
Mit einmal war ich wieder am anderen Horizont und mir war dann so federleicht zumute, dass ich mich einfach in das weite, dunkle Blau davongemacht habe. Die Elfen waren am Singen. Sie haben mir noch nachgewinkt.
Ich habe von deiner Reise gehört sagt die Sonne und von dem was aus den Armen geworden ist. Die einen haben die kostbaren Steine gut angelegt und sind bescheiden geblieben, die anderen konnten nicht ertragen dass sie noch immer nicht reich sind und begannen zu streiten, viele wurden zu Händlern und manche zu Dieben. So mehrte sich da und dort das Hab und Gut. Dabei wurde ihnen so kalt um das Herz dass viele zu Stein geworden sind.
Das ist schade sagt der Mond. So werde ich wohl noch bleiben was ich bin und werde auch weiter hin mein silbernes Licht zur Erde schicken.
So wird es gut sein sagt die Sonne. Du wirst noch eine Weile warten müssen bis du ein wahrhaft himmlischer Glücksstern bist. Aber dann wirst du sogar dein eigenes Licht haben.

Sansibar

Am 13. des Monats erblickte Sansibar der Apfelwurm in einem Boskoop das Licht der Welt. Da der Boskoop einer von der feinen Apfelsorte war, lebte Sansibar nicht schlecht. Er hatte den ganzen Tag nichts Besseres zu tun als zu fressen. Fraß kreuz und quer, bis der einstmals schöne Apfel voller hässlicher Löcher war. Charlotte, in deren Zimmer der Apfel lag, wollte diesen als Pausenapfel in die Schule mitnehmen. Der gute, schöne Apfel und so zerfressen, jammerte sie. Da ist wohl der Wurm drinnen. Da Charlotte nicht gerade zimperlich war, warf sie den Apfel kurzerhand in hohem Bogen aus dem Fenster, und somit geradewegs Onkel Florian vor die Schaufel mit der er gerade den Garten umgrub. Onkel Florian grub den Apfel der Ordnung halber gleich mit ein. Daraus wird einmal ein schöner Apfelbaum, brummte er zufrieden. So geschah es, dass Sansibar wieder schneller unter die Erde kam als er dachte. So finster es da unten nun war, so kam ihm die Sache zur rechten Zeit. Der Winter stand bevor und er hatte noch was übrig vom Apfel. So futterte er bis er richtig dick und rund geworden war, wie eine Puppe. Weiter oben war schon Schnee gefallen, die Leute saßen in den warmen Stuben und aßen Apfelkuchen. Mir soll es recht sein sagte sich Sansibar und machte sich daran den Winter zu verschlafen und dass es ihm auch genug warm sein möge, hatte er ja genug Fett angesammelt. Also waren da viele kurze Tage und lange Nächte und wären da nicht die lichten Töne gewesen, das Rufen, er hätte womöglich als Puppe lange weiter geschlafen. Dabei war da über der Erde schon die Sonne am wärmen. Das Rasten in der dunklen Höhle ist vorüber sagte er sich, und es wartet der Frühling. Aber noch ist er unter der Erde, einen Spaten tief und finster kommt es ihm mit einmal vor und so kalt. Ich muss nachdenken was denn werden sollte. Ein kümmerlicher brauner Falter will ich nicht werden. Nein, ein großer prächtiger Schmetterling will ich sein der weiter fliegen kann als der Garten lang ist. Weit hinauf zu den weissen Wolken, bis dorthin wo das Land der roten Sonne ist, wo das ganz Jahr die Blumen blühen. Auch für die Apfelkerne ist die Zeit der Rastens vorüber, sie haben Besseres zu tun, sie treiben aus. Und davon träumte Onkel Florian. So geht er in den Garten um nachzusehen was denn aus dem Apfel geworden ist, den er so gut eingegraben hat. Er setzt den Spaten an und mit einem Schwung fliegt ein großes Stück Erde in die Luft und dann zu Boden. Schon liegen die schönsten Kerne auf dem Rasen. Sie treiben schon aus brummt er zufrieden vor sich hin. Nichts wie rein in die Dose. Nanu, was ist das denn, sieht wie die Puppe eines Schmetterlings aus. Wer weiss was daraus noch werden wird, hebt sie auf und legt sie in eine Mulde die der Birnbaum geschaffen hat. Der hatte sich in jungen Tagen überlegt einen starken Ast zur linken Seite wachsen zu lassen, und nach dem der Baum immer schiefer geworden ist, hat er auch einen Ast zur rechten Seite wachsen lassen. Und so ist in der Mitte eine Mulde entstanden. So steht er nun da wie ein Ypsilon. Dort rasten nun alle kleinen und großen Tierchen die es mit einmal nicht schaffen bis in die höchsten Zweige zu gelangen.

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Sansibar bei Hundertwasser

Der Herr Professor kommt mit einem Assistenten um zu sehen wer sich da eingefunden hat. Sie öffnen die obere Klappe und stellen den Kasten unter eine Lampe. Sie blicken sich an und der Professor schüttelt den Kopf. „Ich dachte immer ich würde sie alle kennen dabei bringt einen die Insektenwelt noch immer zum Staunen. Dieser Falter lässt sich beim besten Willen in keine Gattung einordnen. Scheinbar eine Laune der Natur, und was für eine schöne.Vielleicht können wir ihm eine eigene Voliere geben um ihn besser beobachten zu können. Nehme an wir werden mit den Südfrüchten als Nahrung für das erste zurecht kommen.“
Ein Mann mit einer bunten Mütze auf dem Kopf steht im Kassenraum des Palmen-Hauses und möchte den Herrn Professor sprechen. „Da haben Sie Glück sagt die Frau an der Kasse, er kommt gerade von der Visite.“
„Darf ich mich vorstellen mein Name ist Hundertwasser. Ich habe die Tage um eine Bleibe für den Schmetterling gebeten.“
Ach so der Herr sind sie. Sind Sie vom Fach.?
Nein, ich habe mit der Kunst zu tun, der Malerei und dem Handwerk. „Ach so sie sind ja der berühmte Maler. Was kann ich für sie tun.?“
„Ich hoffe Sie können dem geflügelten Wesen eine Bleibe geben und ich würde als Überbringer gerne eine Patenschaft für ihn übernehmen, dass heisst ich übernehme sozusagen Kost und Logie für den Schmetterling“
„Eine Patenschaft? Das macht man vielleicht bei großen Tieren im Zoo, aber bei den Schmetterlingen? Nun gut sie sind ja ganz besondere Wesen, haben eine große Geschichte. Vor Millionen von Jahren waren sie schon auf der Erde anzutreffen.“
„Enttäuschen Sie mich nicht. So viel ist mir klar es sind sehr zarte Geschöpfe die oft nur ein kurzes Leben haben.“
„So ist es und ich staune dass sie sich als berühmter Künstler so dieser Sache annehmen.“
„Ja, ich habe nun mal eine Schwäche für exotische Schönheiten und dabei blickt er wollwollend auf die junge Frau an seiner Seite.“ Sie trägt eine Blume im Haar und kann ihre fernöstliche Heimat nicht verleugnen.
„Nun, sie haben den Falter gebracht und sind somit der Besitzer. Aber wenn es Ihnen mit dieser Form der Patenschaft ein Anliegen ist dann gerne.“
Was tut man nicht alles denkt sich der Herr Professor und schüttelt leise den Kopf und zum Einverständnis die Hand des Herrn Hundertwasser.

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Wundersam die Maus

Da, mit einmal kommt Luft unter die Erde. Eine rosa Schnauze taucht auf. Links und rechts lange Haare wie Antennen und dahinter richten sich, nach dem die letzten Erdkrümeln abgefallen sind, die runden Ohren auf und sagt mit piepsender Stimme:
„Wer versperrt mir so einfach den Weg?“
„Ich bin es eine Puppe. Sieh dich vor! Wenn du mich schnappen willst so wird dir das nicht gut bekommen“
„Nur langsam ich tue dir nichts. Ich bin die Wühlmaus, eine die von der Welt da oben genug hat wo man jederzeit unter die Räder kommen kann. So wühle ich lieber und schaffe mir eine Unterwelt wo ich der König bin. Du hast ja keine Ahnung wie viel Leben da herunten ist wenn man das rechte Auge und die feine Nase dazu hat. Also für Essen ist gesorgt und auch für Abwechslung. Und den Wetterbericht muss man auch nicht hören, ich stecke die Nase über die Erde blicke nach dem Himmel, sauge die Luft tief ein und darin ist dann alles enthalten was ich wissen will. Du bist also so eine Puppe die noch was werden will. und ich werde dir eine Geschichte erzählen von mir selber als ich noch Flügeln hatte. Na lach nicht, sieht irgend wie komisch aus für eine Puppe.“ Die Puppe denkt, und wie komisch sieht dagegen eine Wühlmaus aus, die Flügeln hat. Wozu soll das gut sein?
„Ich war also ein Weltwunder, so sagten auch die Leute denen ich um die Köpfe flog. Selber muss ich sagen was ist dabei wenn es auch Fische gibt die Beine haben, oder auch Flügel. Wesen mit zwei Köpfen gibt es, oder welche mit einem Bein anstatt mit zwei oder gar noch eines dazu und so weiter und so fort. Ist ja alles schon sehr lange her. Ein Tauber kam eines Tages daher geflogen. Er hatte seine Braut verloren. Er hat mich eingeladen ihn zu begleiten.
„In der heiligen Stadt sind viele Tauben und vielleicht finde ich dort eine neue Braut meinte er “
„Was soll es da für mich zu tun geben?“
„Es ist dort genug los, den ganzen Tag scheint die Sonne, es gibt Futter und wenn dir danach ist kannst du bei mir unterschlupfen.

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Huck der Zauberer

Tante Polly war eine stattliche Person und da es ihr an nichts fehlte wurde sie immer stattlicher, man kann auch sagen immer dicker. Ich brauche eine neue Badewanne sagte sie eines Tages zu ihrer Nachbarin. Man trennt sich ja ungern von seiner guten alten Wanne, meinte sie, aber wie soll ich denn zu meinem wohlig warmen Bade kommen wenn darin bald kein Platz mehr für das Wasser ist. So kam bald darauf der Klempner ins Haus und setzte eine neue, größere Wanne in das Badezimmer. Das alte Stück können sie ja gleich mitnehmen meinte Tante Polly zu dem Handwerker. Der war nicht gerade ein Riese von Gestalt und so hatte er seine liebe Not bis die Badewanne in den Hof geschafft war. Die ist zwar noch gut erhalten aber beileibe zu schwer meinte der Klempner und so ließ er die Badewanne einfach im Hofe stehen. Dort stand sie nun allen im Wege und war zu nichts mehr nutze. Wo soll ich dieses alte Unding nun hinschaffen, dachte Tante Polly in ihrer Verzweiflung. Nach langem Überlegen entschloss sie sich die Badewanne in den nahen Wald zu schaffen. Als es Nacht geworden war, alle im Dorf schliefen, stieg Tante Polly vorsichtig die Treppe hinunter in den Hof, lud die Badewanne auf einen leichten Wagen und strebte dem Walde zu. Der Weg war eben. So kam sie gut voran, hatte bald den Wald erreicht, wo sie noch ein gutes Stück die Bäume hindurch schritt, um die Wanne auf einer kleinen Wiese mitsamt dem Wagen stehen zu lassen. Wird schon mal wer kommen der für so etwas noch Verwendung findet. So das wäre geschafft seufzte sie erleichtert, wünschte noch eine gute Nacht und machte sich auf den Weg nach Hause.

Den Tag über war es sehr heiss gewesen und ein Bär sucht im Schatten des Waldes ein wenig Abkühlung. Die Blaubeeren waren schon reif und so zupfte er fleissig vom Strauch was so schön blau und saftig war. Dabei verging der ganze Nachmittag und da mit vollen Bauch gut schlafen ist, machte er das und schlief und schlief. Bis es halt zu gewittern angefangen hatte. Bevor mir der ganze Pelz nass wird muss ich zusehen dass ich einen Unterstand oder ein Höhle finde. So kam er zu der Wiese und sah die Beine eines Mannes aus Tante Pollys Badewanne ragen.

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