Der Sause-Wind

So nennt er sich seit neuem, halt SauseWind der über alle Berge will, wo Schneewittchen haust. Sie ist in die Jahre gekommen und das verdankt sie König Lustig. Die Heiterkeit ist mit ihr gezogen und dort hin will er reisen, und er will sie haben. Nein, nicht das eine, aber von der Heiterkeit was mitnehmen, und der Leichtigkeit. Damit er im Gerede bleibt wenn sie einstimmen, mit allem Drumherum: „Er hat Glück gehabt.“ Noch besser, er hat es noch immer. Unzählige wissen nichts davon, so vergesslich sind sie vor lauter Hasten statt Rasten, und tausend Einerlei. Hans im Glück ist eben nicht mehr in Mode bei den Leuten auch nicht bei Kleider Bauer. So bleibt einer zurück mit den alten Hosen und nimmt die andere Seite. So kann er sich bedenken.
Wir können uns vor lauter Menschen nicht mehr retten. Bleibt einer oder ist er keiner. Wie sehe ich morgen aus wenn das Heute schon so schonungslos ist? Gehen sie den Gang entlang
meldet sich die Stimme. So kommen sie nach draussen, aber nicht nach links oder rechts blicken. Unendlich, und doch endlich wird es licht, und ohne etwas vor Augen könnte einer blind werden so hell ist es mit einmal geworden. Was stört den Blick? Bin ich das vor meiner oder ist da nur der Schatten? Der SauseWind als Fragezeichen. Oder besser ein Rufzeichen. Wie kann er hören wenn es hinter ihm, noch immer hallt und schall. Ja lieber gerade sein und alles auf den Punkt bringen, ein Zeichen setzen. Dabei bin ich schier verlassen in dieser Leblosigkeit, ohne der Schlüssel, ohne zu reisen mit vollen Taschen. Allein gelassen in der grausamen Natur, wo nur leere Luft um einen. Kann man sie erfassen, sie begreifen, wo man nichts in Händen hat? Ein Luftikus bin ich also, der auf den Wind wartet. Scheinbar unendlich weit noch die Berge, wo Rübezahl mit der Gondel rauf und runter fährt. Nein, das war einmal, jetzt hausen sie wieder zwischen den Zeiten, die Rumpelstilzchen, die Zwerge. Wie viele Steine sind es noch bis dorthin wo das Tal zu Ende ist? Sehe schon den Himmel über den Wolken, die pure Leichtigkeit. Hört mich keiner, bin ich nur ein Zeichen? Ist er ausgezogen um das Fürchten zu lernen? So erschrocken ist er mit einmal, vor dem, der wie ein Engel vom Himmel geflogen. Ein mächtiger Vogel der vor ihm steht. Weiß er die Antwort auf die vielen Fragen? Komm näher scheint er zu sagen. Aber der Nähe ist nicht zu trauen wo dahinter sich ein unendlich tiefer Abgrund auftut. Suche den Weg wo es nach oben geht. Ich werde ihn dir zeigen wenn du still sein kannst, und wartest. Ach wär ich doch wieder das Tapfere Schneiderlein, oder auch nur die halbe Kunst in der Moderne, so der SauseWind in seiner Not, mit der Aussicht zu Tode zu kommen, so tief ist die Dunkelheit vor seinen Augen. Es ist als wäre einer die Zeit, so still ist es geworden. Wen soll ich noch fragen wenn keine Menschenseele sich blicken lässt. Man darf nicht stören, es könnte laut werden, das Getöse auf die Ohren schlagen mit aller Gewalt. Kehr um meldet sich der lichte Vogel, bleibe auf dieser Erde, mache dir einen Reim aus dem was gerade ist, lass das Alte liegen, und verschwende keine Gedanken an das was sein könnte. Das eine Glück bewahre dir so lange bis es dir eigen ist. Der Schneider im Himmel bist du dann und kannst es bleiben, wenn auch kein Zorn mehr in dir ist.

Herr Wunderlich und die Post

Blicken wir dort hin wo das Einerlei oder das Besondere sich zu einem Paket ordnet, und auch schnüren lässt. Nicht von heut auf morgen, sondern schon in Gedanken weit vorher wird alles bedacht, geprüft, abgewogen, eingekauft, nicht nach Gewicht sondern nach dem was dem Empfänger auch zu Gesicht steht, ihm auch willkommen sein wird. Der Inhalt soll doch schon bevor er es in Händen hat seinen Namen tragen. Aber auch der Name selbst soll schön geschrieben obenauf sein, als Etikette über die Förderbänder rollen, sich würdig einschlichten lassen.

Wer will schon ein Paket überreicht bekommen wo der Name kaum des Lesens wert ist, so krumm liegen oftmals die Buchstaben und die Zahlen, so unscheinbar scheint da ein anderer Name durch der schon ad acta ist, so weit liegt es zurück das ledige Dasein. Durchgestrichen ist er als wäre da nichts gewesen mit den kurzen Röcken und der Lustigkeit.
Er erinnert sich gerne als die Briefe und Karten, die kleinen Kunstwerke so schön verziert die Wände schmückten und alle Welt konnte teilhaben. Heute sieht man sie kaum noch, sind der Feuerbeschau zum Opfer gefallen. Schier achtlos liegen die Restbestände auf staubigen Tischen, auf den Flohmärkten herum, aufgestapelt als hätten sie was zu verbergen. Haben sie nicht! Die lieben Grüße sind mit den Schreibern himmelwärts gegangen und dort bleiben sie.
Also wenn auch die Finger dauernd auf den Tasten liegen, ein schön geschriebener Name macht auch dem Absender alle Ehre soll nochmals gesagt sein.

Zu viel des Guten mit dem Segen, so wird der Sonntag einfach hinausgeläutet und der Montag ist der Tag wo das Paket, das schon am Kastl liegt und wartet, aus dem Hause kommt. Der Blumenladen hat Blumen, aber auch Bananen, man muss ja schließlich von was leben und so wundert sich Herr Wunderlich ganz und gar nicht als da noch mehr ist. Nämlich die Annahmestelle für Pakete die wissen wo sie hin wollen. Das einstmals wohl sehr fesche Fräulein bindet gerade einen Kranz und lässt ahnen wo wir nicht hin wollen. Sie hat es nicht eilig, auch Herr Wunderlich nicht, er hat ein Auskommen mit dem fixen Einkommen und steht sich die meiste Zeit, nein nicht im Wege, einfach selbst zu Diensten.

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Die Wollsocke

Wäre da nicht dieses Gerät, das leise Surren, oder mal ich selber im Spiegel des Monitors, so wäre da kaum etwas von Leben. Und doch scheint es wichtig zu sein. Das Ding vor mir, diese elektronische Maschine die mit mir aufsteht und schlafen geht, sofern ich die Taste drücke. Es gibt immer was zu drücken. Nicht das Händedrücken ist gemeint. Die Maus ist zu drücken, die Taste, der Schalter, oder die Hörmaschine das Handy will auch gedrückt sein, zahlenweise und sorgsam, damit sich nicht wer Unbekannter meldet und leicht verärgert zu verstehen gibt: Sie sind einfach falsch verbunden.

So bin ich wieder wie zuhause, da im Netz. Kann das Feld souverän betreten und jederzeit verlassen. Es gibt kein Anklopfen, man meldet sich nicht an, man ist immer willkommen. Da stellt keiner die Uhr und ich bin der Herr über die unzähligen Pixel die sich zu informativen Bildern, Zeichen und Wörtern versammelt haben. Ganz mir zu dienen. Der unbekannte Bruder, die unbekannte Schwester ist schon da, und wir schreiben viele Jahre nach 1984. Sie weben noch im Hintergrund als virtuelle Wesen und wollen geweckt werden. Ein Spiel?

Ich bin mir meiner Bedeutung wohl bewusst, eine gesuchte Größe zu sein, die es sich gerichtet hat mit den Daten, mit eigenem Konterfei wenn man sich getraut. Von seiner besten Seite aufgenommen. Man bemüht sich um ein bescheidenes Lächeln, mehr könnte schon zu viel sein, um nicht den Eindruck zu erwecken, man wolle sich lustig machen.
Hinter mir im Schrank verstauben die Bilder, schachtelweise, warten auf den Scanner, auf ihre neue Bestimmung. Wen wird es wohl interessieren, das abgelegte Leben, das keines mehr ist. Nur mehr Papier. Aber was solls, man kann es ja mal zeigen, es war doch schon was, so man das alles erlebt hat. Da waren sie alle, die einen begleitet haben, jetzt sind sie woanders und haben auch Bilder und Kopien.

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Die Neue

Kein Tag vergeht wenn er nicht an sie denken muss. Wie konnte er so leben, so sein. Undenkbar sie wäre nicht, so würde etwas Besonderes fehlen, so eine Leere würde sich breit machen. Also ist er voll des Lobes ob ihrer Einmaligkeit. Na gut auch das Vollkommene gilt es zu hegen und zu pflegen wo kein Tag wie der andere ist. Sie ist so beständig, so pflegeleicht wagt man zu sagen. Wenn auch der Himmel trübe, sie ist ihm treu zur Seite. Wenn der Tag zu Ende ist und die Nacht sich einfindet so liegen sie einträchtig beieinander und nichts kann die süssen Träume stören.Teile doch alles mit ihr, auch das Beste fällt ihm dazu noch ein. Heute morgen wieder am Markt. Ja da liegen sie so viele schöne bunte, die sich mühten so drall auszusehen, mit roten Backen und dem feinen Duft. Nein er muss sich zähmen um sie nicht alle fortzutragen die Früchte des Sommers die der Herbst nun ausgebreitet hat. Oh schade sie ist zuhause geblieben, so ist es schwer sich zu entscheiden. Sie fehlt ihm schon und es wird ihm wieder bewusst welche Hilfe er an ihr gefunden hat. Jeden Tag nimmt er sich viel Zeit vor dem Spiegel. Sie wollen doch beide einen guten Eindruck machen. Dabei fällt ihm wieder ein. Was wäre er ohne sie? Was wäre sie ohne mich, oder bin ich da zu eitel.
Anderen Tages flaniert Herr Novak durch den Ort. Ich hätte sie beinahe nicht erkannt so gut sehen sie aus. Und sie strahlen ja so richtig. Ja, Herr Bürgermeister ich habe allen Grund dazu. Ach so, sie haben im Lotto gewonnen? Nein, aber ich habe ein Neue. Oh, das ist aber eine Überraschung wo sie doch eine gute Weile solo waren. Das nicht ganz, aber sie kennen ja den Spruch mit dem blinden Huhn. Na aber! Sie werden sie mir doch mal vorstellen. Ja, gern und sie erfahren dann auch die näheren Umstände, aber alles muss seine Zeit haben. Sie sprechen in Rätseln Herr Novak. Nächste Woche haben wir eine Feier, für die treuen Mitglieder und ich nehme an sie erweisen mir die Ehre und ich darf bei der Wahl auf ihre Stimme hoffen und mit ihrem neuen Glück wird alles noch mehr Gewicht haben. Das wird es sagt Herr Wunderlich und macht zum Abschied ein leise Verbeugung. Kann ihn ja nicht wirklich leiden denkt er und erinnert sich an die Zeit mit Ilona. Wie sagt man zu solchen Leuten - Schwerenöter. Nun, der Weg zur Bank ist nicht weit und so wartet er geduldig auf den Herrn Direktor der bestimmt ob man einen Kredit bekommen kann und man in der Lage ist ihn wieder abzuzahlen. Es ist nicht einfach lautet die Antwort des Herrn Direktor als er mit seinem Anliegen vorstellig wird. Wie wollen Sie den Kredit abbezahlen wenn Sie keine Arbeit haben?

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Der alte Hut

Da sitzt einer auf Beton, dazwischen liegt Österreich, zumindest die gedruckten Exemplare vom Vortag. Sie sollen ein wenig wärmen wenn es schon so kalt sein muss. Links und rechts sammeln sich leere Flaschen. Obenauf die lichten Haare, schutzlos ausgeliefert dem Wind und dem Regen und davor mitten auf der Strasse liegt der Hut. Ein gutes Stück vom Hutmacher und er hat andere Zeiten gesehen, wurde stolz durch die Strassen getragen.
Die Frau hat ihn gebürstet damit er sich zeigen kann in Samt und der seidenen Krawatte darunter. Er konnte sich sehen, sich ein Bild machen auf blitzblanken Messing. Sie spielten auf. Alle waren sie da die Wahlverwandten. Ich wurde herumgeschwenkt, in alle Richtungen. Ehrerbietig verneigten sie sich vor dem Applaus. Da blieb kein Auge trocken wenn er seine Rede gehalten hat und es endete immer feucht-fröhlich.

Aber, es gab auch andere Zeiten, jene in denen der Wind ordentlich durch die Strassen fegte. Die Leute hielten sich an ihren eigenen Hüten fest und waren stumm geworden. Sie hatten was an den Augen und an den Ohren. Sie blickten drein als fehlte ihnen etwas. Wie zuhören wenn man mit einmal eine andere Sprache spricht. Die Referenzen wurden immer spärlicher, der Lack war ab wenn er zu Boden blickte. Es fehlte die gute Luft und die Sonne. Der Staub legte sich auf den schönen schwarzen Samt und immer seltener öffnet sich die Schranktüre, die mit einmal so elend quietschte. Ein Besucher stellte sich ein, blickte kurz rein und klebte etwas an die Türe. Drinnen bin ich der Hut, noch immer in Form und Würde und kein Kuckuck. Ach ja das waren noch Zeiten als er unter all den Honorigen Platz hatte auf der blitzblanken Hutablage. Jetzt ist es der Schrank der immer lichter wird und es fehlen die langen bunten Kleider, der Duft von Lavendel. Es sind immer ein paar gute Worte übrig gewesen. Später fiel die Türe schon hart in das Schloss, es wirbelten die Worte und es gab nur mehr Staub zum Schlucken.
Der Umzug kam unwiderruflich, die Trennung.

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Der unsichtbare Feind

Von wo wird der kommen? Wer ist gemeint, der Jäger mit dem Hund, der Bauer mit dem Stecken, der Blitz aus heiteren Himmel. Das Woher ist nicht einsehbar so unscheinbar ist er der Feind der scheinbar keinen Schlaf kennt, der über eine Zeit lebt die lange vor uns war. Er macht keinen Lärm, zieht keine Spur, könnte auch wieder spurlos verschwinden so es ihm gefällt. Die Schlange wird sich verraten wenn sie im dürren Laub sich schlängelt. Die Raubkatze schreckt die Vögel auf. Der Geier wird sich am Himmel zeigen einen Schatten werfen. Jahrmillionen sind vergangen als er mit den Riesenechsen durch die Weite und den Dschungel sich hat tragen lassen. War schon damals nicht der Rede wert so winzig war er im Vergleich. Es war eine gute Zeit, aber auch die währte nicht lange. Nur immerzu auf einer dicken, faulen Haut liegen kann nicht sein wenn die Sonne unaufhörlich scheint und kein Regen fällt. So verkümmerten sie alle. Die Erde rumorte und verschlang alles was sich noch regte deckte es mit heisser Lava zu.

Äonen sind vergangen bis wieder Leben entstand, und mit einmal auch der Homo Sapiens die Erde betrat. Aber, kehren wir zurück zu dem Feind der keiner sein will, nur ein flüchtiger Gast, und doch hat er Urzeiten überdauert. Nun ist er wieder auf der Suche nach dem Wirt. Er ist nicht wählerisch es kann ein Hase sein, ein Hund der an der Kette liegt und nicht ahnt wer ihn denn so früh oder so spät noch besuchen wird. So ein warmes Katzenfell kann in der kalten Nacht recht gemütlich sein, eine gute Stube wenn man so will. Viele Beine sind es die vorbei kommen, an denen er sich festmacht auf der Suche nach der rechten Stelle.

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Ein kleiner Lord

Sie waren mit einmal alle da gewesen die fremden Leute kunterbunt. Ganz rückwärts eine Oma die es gewagt hatte an dem hektischen Wochentag die Stadt zu besuchen. Ansonsten die Jugend die sich schön verteilt hat und neben der Spielerei sich auch was zu sagen hat, eben so nebenbei von links nach rechts, das eine oder andere, einfach in die Luft gesprochen. Man packt sich ein und die Sachen dazu. Einer nach dem anderen von den jungen Männern und den jungen Frauen verlassen den Zug, nicht ohne sich die Hand zu geben. Kommen vermutlich dort an, wo der gute Ton zuhause ist. So leeren sich die acht Sitze. Die neuen Gäste haben nicht so schwer zu tragen. Ein paar dünne Kabeln weisen dorthin wo die neue Welt zuhause ist und nur die Finger was zu sagen haben. In der anderen Hand fest umschlossen die Cola-Dose und es wird kurz genuckelt bevor man sich ausbreitet, auf den Sitzen. Es wird auch gestöpselt wie zu Zeiten von Samuel Morse, je nach dem was angesagt ist, wer gerade seinen Text oder seine Bilder verbreiten darf. Was den Eindruck macht als würde eine Gruppe von Taubstummen konferieren wird bald eines Besseren belehrt werden. Das Zugabteil ist die Bühne, zur Posse die Grimasse. Als hätte einer am Regler gespielt, wird es laut, so laut dass die Oma im hintersten Abteil ihr Schläfchen beenden muss. Sie schreckt auf. Bewegung kommt auch in das Spiel, mehr so Anstössigkeiten wenn der andere den Eindruck macht als wollte er gar eine kurze Pause einlegen. Scheinbar ein guter Freund hat ungesehen den Zug verlassen und macht wilde Zeichen und lässt Töne von sich die an den Wolf erinnern. So steigert sich noch das Geheule und geht unter im Zugrauschen. Der Wind kommt auf bringt Regen und macht die Fenster dicht. Dass ihm nicht kalt ist dem einen mit seinem rasierten Kopf. Der Rest von Haaren die zu Berge stehen, sollten wohl die Krönung sein, dazu das leuchtende Rot zum grünen Outfit. Es wird chaotisch auf der Bühne, mit einmal Töne wie auf der Darbuka die sich rockig verabschiedet. Dazwischen die wohlbekannte Stimme von den Wiener Linien. Keiner hört noch hin, aber es macht die Ohren voll und niemand findet darauf eine Antwort.

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Die verlorene Geschichte

Es war einmal etwas im Kopf, das man eine Geschichte nennen könnte. Sie trug man mit sich her, keiner konnte sie rauben. Sie war einfach da, unsichtbar, ganz das Seine oder das Ihre. Die glorreiche Idee, der brillante Einfall, das noch nie da gewesene. Der Kopf hat ja im Vergleich zum Bauch, der alles durchgehen lässt, die Angewohnheit die Dinge zu behalten, sich ihrer anzunehmen, sich allerhand zu merken, sich Neues auszudenken, noch mehr aus einer Sache zu machen, zu reimen und zu dichten, auch zu vergessen wenn es so sein muss und so weiter und so fort, bis der Tag X gekommen ist. Und das X steht nicht umsonst beinahe am Ende des Alphabets, das A liegt weit zurück, und vieles das einmal ganz oben stand, wo der Kopf die Verantwortung getragen hat, ist abgesunken. Alles schön und gut, der Tag ist gekommen an dem die Geschichte einfach so ungefragt verloren gegangen ist, sich davon gemacht hat, mitsamt den Wörtern in alle Winde verstreut. Oder hat sie sich gar auf den Magen geschlagen und wurde auskuriert und dann vergessen.? War sie es nicht wert dass man sich ihrer erinnert oder gar zum Besten gibt? Hat es sie oder ihn nicht mehr losgelassen, von der Person Besitz ergriffen, und dabei musste das eine dem anderen weichen um wieder dort zu sein wo man hin gehört, in die Gegenwart. Hat sie gar wer gestohlen, oder wurde sie vor lauter Leichtsinn einfach ausgeplaudert, wurde sie wie die besagte Perle vor die Säue geworfen und er will sie so nicht mehr wieder haben. Sie soll dort bleiben. Wir wissen es nicht. Jemand geistiges Wissen zu rauben sich für den auszugeben der dieses Wissen für sich in Rechnung stellt wird einen Leser oder Zuhörer brauchen wenn es nicht in die Bedeutungslosigkeit versinken soll, das könnte einen trösten. Schreibe ich heute eine Geschichte so wird sie morgen keine Geschichte mehr sein, einfach Vergangenheit und doch wieder Geschichte. Also ein Paradox? Wir könnten der Sache oder der Geschichte auf den Grund gehen, alles Revue passieren lassen. Der Sommer liegt zurück wie eine leere Autobahn, wo hie und da ein Baum gestanden. Wer erinnert sich? Die Zeit der Wärme und der Reife so viel ist es gewesen. Der Frühling lag noch weiter zurück, diese schöne Weile, wo einem die Tatsachen ständig über den Weg gelaufen sind, ohne dass man eine Idee haben musste. Und doch ist der Lenz eine Zeit wo sie gelaufen kommen und sich vermehren.

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Der Löwe im Salon

Der Meister hat Besuch vom König. Jung und höchst lebendig will er sich neuerdings der Welt zeigen. Die gereiften, edlen Züge verlangen den gebührenden Rahmen. Eine grosse Serviette ist bereit, die Tücher. Der Meister muss sich anstrengen, wo sein Kopf so ausladend ist. Es war nicht einfach so von weit draussen hierher zu kommen. Die Wüste, die Steppe, die Savanne, das Grasland war so viele Jahre die Heimat, sein Zuhause gewesen. Nun ist die Zeit gekommen Neues kennenzulernen, und so hat er sich entschlossen unter die Leute zu gehen, zu reisen.

Die Mähne wird gewickelt. Es ist mehr als ungewöhnlich, die kalten Dinger auf dem Kopf drücken. Doch auch der Meister scheint sich nicht wohl zu fühlen, auf seiner Glatze bilden sich Schweissperlen und sein Gesichtsausdruck gleicht dem einer Miesmuschel. Ungewöhnlich für diesen Laden. Doch er hat eine sehr reizende Frau an seiner Seite, sie wäscht den Leuten den Kopf. Aber sie kann auch sehr gekonnt Frisuren legen, wenn der Meister wieder einmal beim Spiel ist, oder im Garten liegt, eine Flasche neben sich.
Haben sie einen Wunsch fragt dieser unvermittelt, als hätte er was gutzumachen? Wollen Sie etwas lesen? Er lächelt. Was für eine Frage denkt er? Wollen Sie ein Getränk fragt er weiter. Er überlegt, soll er den Mund aufmachen. Wer blickt schon gerne in einen Rachen der gewohnt ist Großes in sich aufzunehmen? Doch inzwischen kommt die Frau mit einem Krug Wasser und dazu einen Trinkbehelf. Er blickt sie dankbar an. Sie verstehen sich.

Vor dem Fenster scheint ein kleiner See zu sein. Er reicht bis an das Haus heran. Er denkt an die großen Fische. Sie müssen nur das Maul aufmachen und schon schwimmt das Futter rein. Auch ein Leben, so durch die See zu gleiten, abzutauchen in die Tiefe wenn es oben zu heiss wird. Angeblich sollen ja alle aus dem Wasser kommen. Wäre das ein Leben für einen Löwen - Fische fangen.? Hinter dem Gehölz zieht ein großer Fluss vorbei und der See ist durch die Flut entstanden. Die Fische können nicht zurück müssen warten. Aber sie finden Futter und müssen nicht andauernd gegen den Strom schwimmen. Der Hunger meldet sich schon wieder.

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