Der Mann auf der Halde

„Ich blicke auf ein weisses Blatt Papier, auf die Rückseite von meinem Lebenslauf. Er liest zu Ende legt das Papier vor sich auf den Schreibtisch und vor mir erscheint das Gesicht des Stadt-Baumeisters, der sich etwas von seiner kostbaren Zeit genommen hat um mit mir zu sprechen.
„Wir sind ein erfolgreiches Bauunternehmen und suchen daher einen neuen Mitarbeiter. Wir legen Wert auf seriöse, und verlässliche Mieter. Dazu brauchen wir eine kompetente Person die sich um die Belange der Vermietung und Mieterbetreuung kümmert und etliches anderes. Ich sehe hier ein paar Lücken in Ihrem Lebenslauf. Nun gut, Sie sind mir ja empfohlen worden. Wichtig ist dass Sie verlässlich sind und mir über alle wichtigen Vorgänge wöchentlich berichten. Gut dass sie kommen Frau Mooshammer , bringen Sie uns zwei Kaffe. Sie trinken doch auch einen Herr Burger.“
„Ja sage ich, sehr gerne.“
Kommt mir gelegen nach der langen Fahrt und der kurzen Nacht. Ich muss an die junge Frau in der Milchbar denken, zu früher Stunde. Sie hatte so ein Lächeln, als wären wir mitsammen zur Schule gegangen und ihr blaues Kleid mit der blütenweissen Schürze passte gut zu den blonden Haaren. Nebenan befand sich ein Laden für Hanf-Produkte und ein Blumenladen, das werde ich mir merken müssen.
Vor kurzem ist unser Wohnhaus fertig gestellt worden sagt der Baumeister während er den Kaffee bedächtig umrührt. Es ist alles für den Einzug der Mieter gerichtet. Das Wohnhaus liegt am Rande der Stadt, zur Autobahn hat man nicht weit. Rundherum befindet sich eine große Kleingartenanlage. Wir sind sozusagen die Pioniere im modernen Wohnbau und wir werden das Bild der Vorstadt entscheidend verändern.
Wo möchten Sie wohnen fragt er mich unvermittelt?“
„Dazu hatte ich noch keine Gelegenheit sage ich, so ich erst heute angekommen bin.“
„Nun gut, sie können in dem neuen Haus eine kleine Wohnung beziehen. So sind Sie auch gleich an ihrem Arbeitsplatz.“
Sie bekommen alles von Frau Mooshammer, sie ist informiert und wird Ihnen behilflich sein. Meine Zeit ist nun mal knapp bemessen und so darf ich mich verabschieden. Nächste Woche höre ich wieder von Ihnen.“
Frau Mooshammer räumt die Tassen weg. Morgen kommt Herr Dr.Fromm um sich eine Wohnung im ersten Stock anzusehen sagte Frau Mooshammer und überreichte mir einen Bund Schlüssel.
Das Taxi kommt wie gerufen und so sitze ich nach einer halben Stunde Fahrt mitten in der neuen Wohnung an einem kleinen Tisch mit Telefon und zwei Stühlen. Stelle meinen Koffer ab. Einige Ordner mit den technischen Unterlagen liegen am Boden, darauf ein Paket mit den Mietverträgen die auf eine Unterschrift warten. Da fehlt ein Regal. In dem einen Zimmer nebenan sieht es wohnlicher aus, es ist das Notwendigste vorhanden. Nicht gerade komfortabel aber man hat sich was gedacht.

Es erscheint am anderen Tag ein Herr mittleren Alter im dunklen Anzug und Mantel. Etwas seltsam bei dem warmen Wetter fällt mir ein.
„Nehmen Sie Platz sage ich höflich und erfahre dass er in dem nahen Spital praktiziere und ihm das Haus sehr gelegen komme.“
Wir besichtigen die Wohnung und die Wirtschaftsräume.
„Danke sagt Dr.Fromm. Sie können mir die Schlüssel aushändigen. Ich werde die Wohnung nehmen.“
Er unterschreibt den Mietvertrag als wäre es selbstverständlich nach dem er schon gekommen ist. Seine Hände zittern.
Es tut mir leid sage ich zu Dr.Fromm, auf ein Kellerabteil müssen Sie verzichten so die Räume bereits an eine Firma vermietet sind. Dort wird Exportware gelagert und der Mieter legt Wert auf eine Klimaanlage. Doch trotz dieser Einschränkung ist nach einer Woche das halbe Haus an neue Mieter vergeben. Die Woche ist kürzer als ich dachte. Es scheint von Interesse zu sein das Haus das so über die Kleingärten hinaus gewachsen ist. Wenn einer die Stadt nach Süden hin verlassen will wird ihm dieses Haus nicht verborgen bleiben. So kommen die Leute von der Strasse, von einem Informanten, in Begleitung eines Maklers, auf gut Glück u.s.w. Mache mir von jeder Person die einen Vertrag unterschrieben hat Notizen und so dauert eine Besichtigung einschliesslich der Fragen und Antworten gut eine Stunde wenn nicht länger.
„Kommen Sie herein Herr Burger sagt der Stadtbaumeister freundlich und schliesst die Türe hinter uns.
„Ich hoffe Sie haben für mich gute Nachrichten.“
„Ja, das habe ich und hier sind die ersten Mietverträge.
Allerhand, Sie waren ja fleissig und ich hoffe die Dinge entwickeln sich weiterhin so positiv. Er putzt seine Brille und beginnt mit der Durchsicht der Mietverträge. Eine Frau Merkel - gut, kenne ich nicht. Frau Mannlicher lese ich hier. Was weiss man über die Person? Sie wissen ja wir suchen anständige Mieter.
„Die Frau soll bei den Alliierten im Dienst sein.“
Ach so - gut, was haben wir hier?